Expositions

Die Ausstellungen der Zwischenkriegszeit (1920-1940)

„Man betrachte es, wie man wolle, immer gelangt man zum selben Schluss.Es gibt keinen Kolonialismus ohne Rassismus.“

Aimé Césaire, La Nouvelle Critique (1954)

Nach dem 1. Weltkrieg verändert sich die Darstellung der „Wilden“:im Mittelpunkt stehen nun die „zivilisatorische Mission“ der Kolonialherren und die „Wohltaten“, die der Kolonialismus für die unterworfenen Völker mit sich bringt.Menschen werden nicht mehr wegen ihres „exotischen“ Aussehens ausgestellt. Jetzt geht es um die Inszenierung von Modernität und Zukunft. Beispielsweise soll bei der New York World’s Fair (1939) die „Welt von morgen“ gezeigt werden.Die Kolonialausstellungen der Zwischenkriegszeit – Marseille 1922, Wembley 1924, Lüttich und Antwerpen 1930, Paris 1931 und Chicago 1933 – sowie die nationalen „Gewerbeausstellungen“, die zwischen 1922 und 1940 in Deutschland, Italien und Japan stattfinden, sind Publikumsmagneten. Nun treten aber die „Ureinwohner“ an die Stelle der „Wilden“.Kommuniziert werden soll „kolonialer Humanismus“ und die segensreichen Auswirkungen des Zivilisierungsprozesses. Bei der British Empire Exhibition in Wembley (1924-1925) werden mehr als 27 Millionen Eintrittskarten verkauft, bei der Pariser Kolonialausstellung im Bois de Vincennes (1931) mehr als 33 Millionen.

Beide Großveranstaltungen sind Verherrlichungen des Imperialismus, sie wollen das Bild eines befriedeten Reichs und glücklicher Untertanen zeichnen.Auch in den folgenden Kolonialausstellungen – „Paix entre les races“ (Brüssel 1935), British Empire Exhibition (Glasgow 1938), Deutsche Kolonial-Ausstellung (Dresden 1939) oder Mostra d’Oltremare (Neapel 1940) – wird die kolonialisierte Bevölkerung nicht verächtlich gemacht.Stattdessen werden Nachbauten, Handwerksausstellungen und die wirtschaftliche Potenz der Veranstalter präsentiert.In Dresden (1939) rühmt die Nazi-Regierung die deutsche Methode der Kolonisierung als hervorragend, in Neapel möchte Mussolini ein in Nachfolge des römischen Reichs „wiedererobertes“ Weltreich feiern. In beiden Fällen erweist sich die Aussage der Kolonialausstellung als äußerst politisch. Die letzte große Völkerschau dieser Phase findet 1940 im Rahmen der portugiesischen Weltausstellung statt. Die archaischen „Welten der Ureinwohner“ stehen nun im Dienste nationaler Ziele.

 

Die Pariser Kolonialausstellung im Bois de Vincennes (1931)

Marschall Lyautey organisiert die Pariser Kolonialausstellung im Bois de Vincennes (1931). Er untersagt „rassistische“ Schaustellungen. Stattdessen sollen die Darbietungen den „kolonialen Humanismus“ akzentuieren.Im selben Jahr werden etwa 100 Kanaken im Pariser Zoo als „Kannibalen“ ausgestellt. Einige von ihnen sterben wegen der mangelhaften Versorgung. Der öffentliche Druck steigt, es gibt mehrere Anklagen. Daraufhin untersagt der französische Kolonialminister die private Rekrutierung in den Kolonien und schickt die überlebenden Kanaken nach ihrer Deutschland-Tournee schleunigst zurück nach Neukaledonien.Unter den Ausgestellten waren mehrere Verwandte des ehemaligen französischen Fußballnationalspielers Christian Karembeu.


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